Altbacken und spießig war gestern. Nachdem der Teppich ewig als Bodenbelag verpönt war, fliegt er gerade wieder in die deutschen Wohnungen zurück. Hier gibt es am Ende des Artikels meine TOP 4 der nachhaltigen Teppichlieblinge für Euch und dazu noch ein bisschen Kulturgeschichte und Feuilleton über die flauschigen Bodenbeläge.

Ich konnte es fast nicht glauben, aber die Modeszene hat sich auch schon auf die Teppiche gestürzt. Für eine Modeschau wurden kürzlich aus dem schnöden Bodenbelag sogar Couture-Kleider geschneidert und die Models zu Teppichludern.

Die verrückte Idee des kanadischen Teppichunternehmens Korhani! Da mussten die Models bei der Berlin Fashion Week in Teppichen über den Berliner Catwalk stöckeln. Zum Beispiel im Abendkleid aus beigefarbenen Rosenblüten, ein bisschen kantig mit Wollteppich-Schleppe oder in Form von Teppichschnipsel die Patchwork-Artig zum schmalen Charleston-Kleid  zusammengeschneidert wurden. „Carpet Couture“! Nannte Korhani das ganze dann. Ein kleines Zeichen dafür, dass der Teppich gerade sein Revival erlebt. Auch wenn das die Parkett-Fetischisten unter Euch vielleicht nicht ganz so gerne hören wollen! Ich muss es leider sagen: Der gewebte Bodenbelag ist IN!

Das verdankt er vor allem den jungen Wilden in der Designszene, die ihr Herz für den Teppich entdeckt und ihn vom Staub der 70er und 80er befreit haben. Damals herrschte das Grauen der flusenden Flokatis und dunklen Orient-Läufer. Geradezu inflationär wurde der Teppich in den Häusern und Wohnungen verlegt. stylischer hay teppichDas Ergebnis dieser Teppich-Flut war eine Generation mit Antipathie für alles Wollige unter den Füßen. Ich konnte mir jahrelang fast alles in den eigenen vier Wänden vorstellen, wirklich ALLES, nur bitte keinen Teppich! Jetzt ist die Auslegware also en Vogue, das neue Must-Have für jeden Salon, der etwas auf sich halten möchte. Ein Blick in Richtung meiner Füße zeigt: N-A-T-Ü-R-L-I-C-H! auch mein Salon hat einen flauschigen Teppich. (aus Biobaumwolle, ganz öko und so nachhhaltig wie möglich – wenn schon, dann auch mit gutem Gewissen) Aber ich habe damit meinen Frieden gemacht, oder wie Berlins Bürgermeister zu sagen pflegt: „Und das ist auch gut so!“

Der Zeitgeist schreit nach mehr Behaglichkeit, egal ob getuft oder gewebt. Der Langfloor kommt mir vor wie das Mammutfell der deutschen Großstadtbewohner. Nach vielen Jahren der Laminat-verstärkten Existenz, sehnt sich das deutsche Publikum offenbar nach der Behaglichkeit einer flauschigen Höhle. Je stärker der Hang zum Cocooning, zum Einkuscheln in den eigenen vier Wänden, desto stärker wird auch der Teppich als Symbol für gemütliche Häuslichkeit nachgefragt. So wie anno dazumal, als noch traditionelle Handwerker die wolligen Bodenbeläge von Hand geknüpft haben.

Bunter TeppichDie Recherche zeigt: Teppich haben eine lange Geschichte. Der Älteste ist über 2500 Jahre alt. Er stammt aus einem Grab in der äußeren Mongolei, wo er dank der frostigen Temperaturen bis zu seiner Entdeckung schön konserviert wurde. Das gute Stück lässt schon die orientalischen Muster erahnen, die dem Teppich später zur Berühmtheit verhelfen sollten. Die Nomaden haben damals vermutlich aus reiner Verzweiflung geknüpft was das Zeug hält. Irgendwie musste man die eigenen vier Zeltwände in der frostigen Mongolei schließlich warm halten. Bett, Stuhl, Tisch – der Teppich hatte viele Funktionen im Nomadenhaushalt.

Teppich hollightly styleVom pragmatischen Gebrauchsgegenstand hat er sich dann zum Luxusgut gewandelt. Um 330 vor Christus brachte Alexander der Große zum ersten Mal Orientteppiche mit ins Abendland und in die dortigen Burgen und Schlösser. Dank Malern wie Hans Holbein weiß auch die Nachwelt, dass Teppiche damals schon als Dekostücke heiß begehrt waren. Auf seinen Gemälden schmücken die Webteile fast jede Adelswand. Die europäischen Fürstenhäuser waren verrückt nach den orientalischen Teppichen. Louis der 14., der dem Begriff Luxus noch ein Sahnehäubchen aufsetzte mit seinen Extravaganzen, brachte die Teppichkultur in Frankreich ganz groß raus. 1662 entstand die erste Gobelin-Werkstatt in Paris und der Rest ist Geschichte.

musterDie haben einige junge Designer jetzt wieder aufgerollt. Sie haben den Teppich wieder ins Rampenlicht der Raumdekoration geschossen und von seinem Spießerimage entstaubt. Vorbei sind die Zeiten als Teppiche in etwa so populär waren wie ein Häkeldeckchen. Sie sind  Designersache und Raumskulptur! Modediven wie Vivianne Westwood oder Wolfgang Joop arbeiten ihre kreative Energie am Bodenbelag ab. Junge Designer, wie der Bochumer Jan Kath, gestalten textile Kunstwerke für den Boden.

Teppichmuster, die zerschlissen und abgetreten wirken. Der Used-Look wird zur gewollten Coolness. Knoten für Knoten zurechtgeknüpft, um den Stücken das letzte bisschen Konservatismus auszutreiben. Mit ornamentalen Teppichen im Op-Art-Design, reliefartig gewebten Wolllandschaften und modern interpretierten Orientteppichen. Die passen dann auch nicht zu Gelsenkirchner Barock und Nussbaum. Nein! Die neue Teppichgeneration entfaltet ihre Wirkung zwischen modernen Designerschränkchen. Teppich naturWas lange als popelige Auslegeware verpönt war, ist jetzt also wieder t-o-t-a-l en Vogue. Egal ob gewebt oder geknüpft. Die neue Teppichgeneration macht sich breit in den deutschen Wohnhöhlen. Und bald bestimmt auch in Eurer kuscheligen Wohnhöhle, wenn ihr nicht sowieso schon mindestens ein Exemplar unter Euren Füßen liegen habt…

Jetzt vergrabe ich meine Füße in meinem weißen Teppich und mache mir einen Tee,

alles Liebe Eure Petra

 

P.s.: Falls  ihr noch nicht genug Teppiche in eurer Wohnhöhle versammelt habt, ist hier nochmal die geballte Teppich-Prominenz aus dem Artikel:

 

Den Teppich von Impressionen – passend zum Hollightly-Design *zwinker* – gibt es hier unter Bestellnummer 5964301*.

Ausserdem:

TOP 1: Nachhaltiger modern gestylter Teppich von Riwa-Design (bei Dawanda* gesehen). Das gute STück fügt sich gut zu Holz und hellem Country-Chic, als moderner Kontrast. Total Öko und in Gebirgsbächen gewaschen – da läuft es sich doch besonders gut…und das schöne daran. Er ist sogar individualisierbar:

TOP 2: Frisch aus Nepal, handgemacht und von einem Händler vor Ort – so muss da sein, wenn der Verdienst am Produkt auch bei den Herstellern landet – ich liebe Dinge, die nicht nur hübsch, sondern auch fair und sozial sind (gesehen bei dawanda*):

TOP 3: Hot Hot Pink – ein hübsches Stück der Marke Hay, die zumindest versuchen nur natürliche Materialien zu verwenden. 100% Wolle und so schick! (Gesehen bei Design-bestseller unter Bestellnummer 900073*) Hay ist eigentlich eine Firma, die sich auf Filz spezialisiert hat und da genau darauf achtet, dass die Schurwolle von glücklichen Schafen kommt und direkt im Teppich landet ohne fiese Umwege.

TOP 4: Waikiki von Ruckstuhl kann sogar Outdoor! Der Teppich ist aus Kokosfasern hergestellt, die so fix nachwachsen, dass man von einem Nachhaltigen Naturprodukt reden kann. Und sie sind strapazierfähig. Mit viel Weiß und edlem Grau, kann ich mir das hübsche Teppich-Ding sogar im Wohnzimmer oder Arbeitszimmer vorstellen (gesehen hier bei Connox*)

Was knalliges für den Flur*? Oder die Küche… Die Teppiche sind schadstoffgeprüft und aus Sisal gewebt. Das ist ein schnell nachwachsender Rohstoff, der durch seine natürliche Pflanzenfaser-Struktur ausgleichend auf das Raumklima wirkt.

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