Wenn man sein Label „edelziege“ nennt, dann hat man auf jeden Fall Humor. Und damit ist mir die Labelgründerin Saruul vom Fleck weg sympathisch. Genau, wie die Looks des Labels. Edel: ja! Ziege: Nicht erkennbar! Höchstens an der flauschigen Struktur der feinen Wolle.

edelziege-logoDie Sachen sind cool, lässig, elegant und klassisch, aber mit einem kleinen Twist. Die Strickjacke hat moderne Ärmel, das Shirt ist nicht nur ein Shirt, sonern hat ein zartes kleines Zopfmuster. Saruul ist in der Mongolei geboren, aufgewachsen und sie hat die letzten Jahre in Deutschland verbracht. Deswegen ist die Wahl natürlich auf die Mongolei gefallen, als es um den Produktionsort ihrer Kleidung ging. Dort sind die edlen Cashmere-Ziegen zu Hause, dort gilt es die Produktionsbedingungen zu verbessern und dort kennt sie Menschen und Kultur.

Edelziege Strickjacke seitlichFluffig weich, Fair Trade & lässig elegant

Die Mode ist definitiv nicht folkloristisch, das kann ich persönlich bestätigen. Denn ich hab mir die feinen Teile nicht nur beim Green Showroom in Berlin angeschaut, sondern auch ein paar Teile zum Anprobieren und Testen leihweise zur Verfügung gestellt bekommen. Ich habe sie einmal durchprobiert und die Lieblingsstücke mit meinen Lieblingsstücken im Schrank für Euch auf Tauglichkeit und Fashion-Faktor getestet. Fluffig weich und angenehm zu tragen, sag ich nur! Sicher, die Sachen sind keine Schnäppchen und ich würde mir deswegen ein oder zwei Teile für den heimischen Schrank schnappen, die ich dann immer wieder frisch kombinieren kann. Und nicht massenweise einkaufen. Aber das ist jaauch das Konzept dahinter. Erstens weil die Teile so klassisch daherkommen, dass man sie über Jahre anziehen kann ohne sich satt zu sehen und zweitens, weil nachhaltige Mode auch auf nachhaltigen Einsatz über Jahre setzt. Qualität hat ihren Preis, aber das zahlt sich dann auch über Jahre aus. Die Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Außerdem sind sie Fair Trade, traditionell und mit dem fluffigen Haar von glücklichen Ziegen produziert und das sollte uns allen ein bisschen was wert sein.

Kennt ihr die Bilder von den kleinen Schweinchen, die neulich durch Facebook geisterten? Die einfach bei lebendigem Leib in die Mülltonne geworfen wurden? Das ist Alltag für viele Tiere aus der Massentierhaltung, genau wie männliche Küken einfach entsorgt werden, als ob sie weder Schmerzempfinden, geschweige denn Gefühle oder eine Seele hätten. Das macht mich wütend! Es ist so grausam und nebenbei auch unfassbar achtlos und brutal. Der Mensch hat ein Hirn zum Denken bekommen, anstatt es zu nutzen für einen achtsamen und guten Umgang mit den Tieren, der Umwelt und der Natur, nutzt er es um sich Luxus und Bequemlichkeit ohne Rücksicht auf Verluste zu verschaffen. Hollightly GlücksbringerDeswegen müssen wir alle die Labels unterstützen, die gut mit Tieren umgehen, die nachhaltig arbeiten und versuchen Tierschutz, Umweltschutz, Fair Trade und Style zu verbinden. Dafür haben sie definitiv unser Glückssymbol verdient. Mal ganz ehrlich: es liegt nur an uns Kunden! Wir haben die Macht! Mit unserem Konsumverhalten, könnten wir die Welt zu einem besseren Umgang zwingen. Aber wir nutzen diese Macht leider zu wenig…

 

Warum sind alle Frauen Ziegen?

Deswegen liebe ich Labels, wie die edelziege. Die nicht nur stylisch und lässig daherkommen, sondern eine Geschichte und Haltung haben! Noch dazu ist die Designerin Saruul, schwer sympathisch und authentisch. Mehr über ihr Label, ihre Motivation, warum alle Frauen Ziegen sind und ihre Geschichte erfahrt ihr im Interview:

Interview mit Designerin Saruul von edelziege

Edelziege Strickjacke offenPetra von Hollightly: Edelziege, der Name ist einfach, wie genial – was steckt dahinter?

Saruul: In erster Linie ist es wirklich auch ganz einfach – die edle Wolle von der Ziege.

Natürlich spielt auch eine kleine Zweideutigkeit mit und zwar im Bezug auf die Frau, Denn, sind wir nicht alle eine kleine Edelziege ?!

 

Petra von Hollightly: Haha, absolut! Da will ich Dir gar nicht widersprechen. Dein Label ist eng mit der Mongolei verknüpft. Dein Geburtsland. Heißt, dass die Wolle und die Produktion in der Mongolei stattfinden. Wie sind da die Produktionsbedingungen?

Saruul: Ich kenne die Strickerinnen alle persönlich, da ich 2 mal im Jahr persönlich vor Ort bin, um Kollektionen, Muster und Farben zu besprechen. Da kann ich mich immer gleich von den fairen und sauberen Arbeitsbedingungen in der Strickerei überzeugen. In der Mongolei gibt es gesetzlich geregelte Mindestlöhne und Arbeitszeiten, Kinderarbeit ist verboten. Die Bedingungen für die Strickerinnen sind überhaupt nicht vergleichbar mit anderen Produktionsstandorten in Asien.

 

Petra von Hollightly: Trotz allem, achtsam sein muss man immer vermutlich. Nach welchen Kriterien sucht ihr die Manufakturen und Wollproduzenten in der Mongolei aus?

Saruul: edelziege arbeitet ausschließlich mit kleinen Manufakturen zusammen, die unseren Anspruch an faire Arbeitsbedingungen und Umweltschutz sowie an Qualität und Design unterstützen und mittragen. Die Strickereien sollten auch mit Kleinstordern umgehen können und nicht auf Masse aus sein.

 

Edelziege nahPetra von Hollightly: Die edelziege ist weiblich.. 90 % der Angestellten in den Firmen mit denen ihr produziert (zumindest mit denen in der Hauptstadt) sind Frauen. Ist auch das ein Punkt in der Mongolei – die Emanzipation?

Saruul: Für mich ist es sehr wichtig, die Wolle nicht nur in der Mongolei zu gewinnen, sondern dort auch bis zum fertigen Produkt verarbeiten zu lassen. So haben die Menschen in der Mongolei von ihren wertvollen Rohstoffen Mehrwert. Durch die aufwendigen Arbeitsprozesse wie Waschen, Färben, Spinnen und Stricken, werden viele kleinere und mittelständische Betriebe beschäftigt und Arbeitsplätze geschaffen bzw. erhalten. Da ging es nicht um Emanzipation – das war nicht der Punkt in die Mongolei zu gehen oder dort produzieren zu lassen. Als Stricker-/innen arbeiten nun mal fast ausschließlich Frauen.

 

Edelziege_WEB_5Petra von Hollightly: Was bedeutet Dir Nachhaltigkeit? Und welche Rolle spielt der Begriff in der Mongolei?

Saruul: Nachhaltigkeit bedeutet für mich mit nachwachsenden Rohstoffen, die uns die Natur gibt, zu arbeiten. Nachhaltig ist für mich auch mit diesen Ressourcen sorgsam umzugehen. Deswegen produzieren wir nur die Stückzahl, die auch geordert wird und haben damit keinen Überhang. Nachhaltigkeit ist auch für mich, dass alle Arbeitsprozesse, die zur Entstehung der edelziege-Kollektionen notwendig sind, vom Rohstoff bis zur Fertigung, bis hin zur Auslieferung, alles in der Mongolei stattfindet. Nachhaltigkeit spielt in der Mongolei im Moment noch nicht so eine große Rolle wie inzwischen in Deutschland – aber die ersten Bewegungen gibt es bereits. Es muss nur noch die breite Masse erreichen.

 

Edelziege TopPetra von Hollightly: Man merkt Deine Liebe zur Mongolei nicht nur bei Deinem Label, sondern auch hier im Interview. Du bist in der Mongolei aufgewachsen, lebst jetzt in Deutschland – was von jeweils beiden Ländern fließt in das Label?

Saruul: Die Gelassenheit, den Moment zu genießen = die Mongolei.

Das Planvolle und die Genauigkeit = Deutschland. Beide Eigenschaften beeinflussen die Arbeit des Labels.

 

Petra von Hollightly: Kurz und knapp (lacht) Letztlich ist es doch deutlich schwerer sich auf diesem hart umkämpften Mode-Markt mit Tradition und Qualität durchzusetzen gegen all die Massenware aus Billiglohnländern – warum habt ihr euch trotzdem für diesen harten Weg entschieden?

Saruul: Ich habe nicht danach geschaut, was der lohnenswertere Weg wäre. Ich hatte eine Idee, einen Wunsch und einen Traum. Den gehe ich. Warum? Weil mein Herz das wollte und das Bauchgefühl sagte „MACHEN“.

 

Edelziege von hintenPetra von Hollightly: Das ist immer der beste Grund, etwas zu tun. Gab es einen Moment oder auch mehrere Momente, die ausschlaggebend waren für die Gründung des Labels?

Saruul: Ich war eine Quereinsteigerin, was dieses Berufsfeld anbelangt. Eigentlich habe ich Kommunikationswissenschaften in Dresden studiert – der Liebe wegen ging es dann nach Plauen. Modeinteressiert war ich natürlich schon immer und auch das Heimweh spielte eine entscheidende Rolle, dann fehlte nur noch ein kleiner Schubs von meinem Mann und ich verband Mode & meine Heimat, die Mongolei, miteinander. CASHMERE sollte es sein und edelziege war geboren.

 

Petra von Hollightly: Das klingt so einfach. Aber ist in der Realität sicher nicht immer so entspannt gewesen. Zumal Du einen besonderen Anspruch hast: Das Label will mongolische Wurzeln mit modernem Schick verbinden, wie schafft ihr diese Brücke in Deinen Designs?

Saruul: Ich habe noch eine mongolische Co-Designerin in der Mongolei, unsere Ideen fließen ineinander. Sie schaut, was möglich und machbar ist, ich liefere Entwürfe und behalte den europäischen Markt im Auge. Natürlich greife ich für meine Kollektionen auch traditionelle mongolische Muster auf.

 

Edelziege Top 2Petra von Hollightly: Welcher Look schwebt euch vor Augen, wenn ihr an edelziege denkt?

Saruul: Klassiker, Basic-Modelle, die nicht unbedingt jedem Modetrend unterliegen. Sie sind zeitlos und können ein Leben lang getragen werden. Es ist eine Investition, an der man sich nicht sattsieht, die nicht aus der Mode kommt. In unseren neutralen Woll-Farben, wie Sand, verschiedenen Graunuancen, Wollweiß und schwarz, die sich, neben Trendfarben, durch jede unserer Kollektionen ziehen, lassen sie sich perfekt kombinieren und passen sich jedem Look gut an.

 

Petra von Hollightly: Danke Dir, für das Gespräch. Ich wünsche Dir und Deinem Label viel Erfolg und drücke die Daumen, dass Deine spontane Idee sich zu einem weiterhin so grandiosen Label entwickelt.

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