Emanuel Hendrik hat sich ganz der schönen Opulenz gewidmet. Er macht Abendmode und vor allem Brautmode. Aber nicht nur für die Frauenwelt, auch für Männer. Wenn ihr also einen nachhaltig produzierten Hochzeitsanzug passend zu Eurem Green Wedding Brautkleid sucht, könntet ihr bei Emanuel fündig werden. Ihr kennt ihn vielleicht noch von der Show „Fashion Hero“, in der Topmodel Claudia Schiffer zusammen mit Einkäufern großer Modehäuser nach frischen Designtalenten gesucht hat. Emanuel war der sympathische junge Designer mit den edlen Roben und dem eleganten Touch. Aber ich lasse ihn lieber selbst zu Wort kommen. Wir haben über nachhaltige Kerle, Kunst in Neuseeland und die Eco-Fashion-Welt geplaudert. Und er hat so viel zu erzählen, dass ich lieber ihn selbst zu Wort kommen lasse.

 

Emanuel HEndrik AnzugEmanuel HEndrik Brautkleid

 

 

Interview über Kunst in der Mode, nachhaltige Hochzeitsanzüge und individuell geschneiderte Brautkleider: 

Petra von Hollightly: Du hast dich in Neuseeland der Kunst gewidmet, hast dir dort einen Namen als Künstler und Fotograf gemacht – wie kam es zu deinem Wandel zur Mode?

Emanuel HEndrikEmanuel: Kunst ist für mich nach wie vor eine super wichtige Art, mich auszudrücken. Beim Malen kann ich besser abschalten als bei jeder anderen kreativen Betätigungsform. D.h. es geht dabei aber eher um eine recht narzisstische und nicht zweckgerichtete Form der Selbstverwirklichung. Die Mode bietet dafür aber eher dem Designer in mir kreative Entfaltungsspielräume. Denn hier geht es darum- wie bei jeder anderen Designform – mit einem Kundenbriefing loszulegen und sich innerhalb dieses Briefings dann kreativ zu entfalten. Das Tolle an der Mode ist damit aus meiner Sicht, dass es etwas sehr Lebendiges hat. Meinen Kreationen wird durch ihre Träger erst echte Persönlichkeit und Leben eingehaucht und damit ist ein Kleidungsstück etwas unglaublich Dynamisches.

Petra von Hollightly: Deine Kunst ist bunt und ausdrucksstark, modern – trotzdem hast Du dich für einen Bereich entschieden, der eher von Nicht-Farben wie weiß und schwarz und klassischer Eleganz bestimmt wird, du machst heute Event- und Hochzeitsmode – warum hast du dir gerade diesen Bereich ausgesucht?

Emanuel:J Das stimmt, meine Bilder leben von den intensiven Farben, die ihnen sehr viel Tiefe und Stimmung verleihen. Und genau das ist die Parallele zur Brautmode: Auch wenn sie im Wesentlichen weiß ist, geht es bei einem Brautkleid auch viel um das Transportieren von Stimmungen. Es geht darum, die persönlichen Feinheiten TROTZ des Fehlens von Farben auszudrücken, z.B die Eleganz oder das mädchenhaft-leichte der jeweiligen Kundin. Wenn ich ein Kleid für eine Kundin designe, dann habe ich nicht nur das reine Kleidungsstück vor Augen, sondern wie es den Typ vermittelt und zum gesamten Event passt. Am Ende sollte sich das im Bestfall zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Zu einer Strandhochzeit passen eben Blumen im Haar und ein kurzes, leichtes Vintagekleid mit Perlenbesatz und Spitze besser als das lange Cinderella-Kleid… Zudem bleibt mir ja auch noch die Abendmode, wo ich mich sehr gerne „farbig austobe“ und auch bei den Herren kommt die Farbe – zumindest im Innenfutter oder Details wie Revers und Knopflöcher – bei mir nie zu kurz J Glücklicherweise gibt es mittlerweile auch immer mutigere Bräute, die sich von dem klassischen Klischee der „Braut in weiß“ lösen. Eine der schönsten Hochzeiten, die ich ausstatten durfte und wo ich sogar selber eingeladen war, war komplett in weiss, aber die Braut in einem intensiv-roten, langen Brautkleid mit rot eingefärbten Gänsefedern.

Petra von Hollightly: Vor einiger Zeit – ich muss es kurz erwähnen – warst du einer der Designer bei Fashion Hero – dort musstest Du umschwenken von Hochzeitsmode zu Alltagstauglicheren Entwürfen, wie schwer war das für Dich?

Emanuel: Das fiel mir eigentlich nur bedingt schwer, weil ich in meinem Atelier ja auch alltagstauglichere Mode wie Cocktailkleider, Kostüme und Anzüge designe. Diese richten sich meist an eine relativ junge Zielgruppe. An individuellere Typen, denen das Kleid oder Anzug von der Stange nicht reicht und die für ein Event etwas Ausgefalleneres suchen, z.B. für den Abiball, eine Preisverleihung oder eine Familienfeier.

Petra von Hollightly: Hat deine Teilnahme, der Blick der Juroren und auch deren Tipps etwas an deinen heutigen Entwürfen geändert? Also: hat Fashion Hero dich beeinflusst?

Emanuel: Natürlich hat mich Fashion Hero dahingehend beeinflusst, als dass ich dort mit den Besten ihres Faches zusammen arbeiten konnte und dadurch viel gelernt habe. Aber die Tatsache, dass ich durch meine fehlende Kommerzialität rausgeflogen bin, hat nichts an meiner Marken-DNA geändert. Ich designe keine Street Wear und habe es auch auf absehbare Zeit nicht vor.

Emanuel HEndrik Atelier

Petra von Hollightly: Bei dir kann Frau sich auch Brautkleider auf Wunsch schneidern lassen, worauf achtest Du wenn eine Kundin zu Dir kommt und ein Brautkleid haben möchte – was fragst du sie, was willst du wissen? Und wie gelingt es dir dann herauszufinden, welches Kleid sie sich wünscht für ihren großen Tag?

Emanuel: Die erste Frage geht immer in Richtung ihrer persönlichen Vision und ihre Selbstwahrnehmung. Wovon hat sie vielleicht schon immer geträumt? Was ist sie für ein Typ und wie wünscht sie sich, dass das Kleid das auch entsprechend reflektiert? Am Einfachsten geht es, wenn man sich über die konkrete Besprechung des Hochzeitsstages annähert. Ich lasse mir erzählen, wie die Braut sich diesen Tag vorstellt, wie der Ablauf der Feier ist usw. und so nähern wir uns langsam ihrem konkreten Traumkleid.

Emanuel HEndrik Atelier

 

Petra von Hollightly: Also nehmen wir einmal an, ich will heiraten *zwinker* komme verzweifelt zu Dir, weil ich das perfekte Hochzeitskleid suche, wie geht’s du dann zusammen mit mir vor?

Emanuel: In dem Fall würde ich v.a. erstmal den Status-Quo mit Dir aufnehmen. D.h. wo warst Du überall schon, welche Modelle hattest Du an (A-Linie, Mermaid, Empire usw.). Worin hast Du Dich am wohlsten gefühlt und was hat Dir gefehlt. Wie kleidest Du Dich im Alltag. Was sind vielleicht Deine persönlichen Problemzonen, die Du kaschieren willst und auch nicht ganz unwichtig: Wer war alles bei den Anproben mit dabei? Manchmal erlebe ich diesbezüglich nämlich wirklich: Zu viele Köche verderben den Brei – oder in dem Fall das Brautkleid.

Emanuel HEndrik Brautkleid

 

Petra von Hollightly: Das kann ich mir gut vorstellen. Aber kommen wir mal zu den nachhaltigen Fakten. Welche Stoffe verwendest Du? Und (die immer wichtige Frage für Hollightly) woher beziehst du die Stoffe für die Brautkleider?

Emanuel: Ich verwende klassischerweise natürlich als Grundstoff sehr häufig Tüll, Brautsatin, ab und zu Organza und relativ häufig hochwertige Seidenduchesse. Hinzu kommt italienische Seide, französische Spitze und Applikationen wie Perlen. Meine Stoffe beziehe ich i.W. bei Buddenberg & Weck in Wuppertal und Fucotex im Süden.

Emanuel HEndrik Atelier

 

Petra von Hollightly: Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit bei deiner Mode?

Emanuel: Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle in meinem Geschäftsmodell. Das liegt v.a. in meinem hohen Couture-Anteil begründet. Hier achte ich darauf neben zertifizierten Stoffen (von den o.g. Zulieferern) v.a. auch die lokale Wirtschaft zu fördern, indem ich in meinem Atelier in Düsseldorf selbst fertige und mich in Peak-Zeiten mit ausgesuchten Schneidern lokal bediene.

 

Emanuel HEndrik AtelierEmanuel HEndrik Atelier

 

Petra von Hollightly: Gibt es Entwürfe an die du dich erinnerst, die vielleicht besonders ausgefallen oder ungewöhnlich waren?

Emanuel: Ich erinnere mich an ein Modell, das extrem gewagt und gleichzeitig aber trotzdem sehr ausgefallen und elegant war. Es war ein Mermaid-Schnitt bestehend aus eng anliegenden, transparenten Tüll, der auf den entscheidenden Stellen Spitzenelemente appliziert hatte. Bzgl der Männermodelle erinnere ich mich an einen Alt-Rocker, der sehr ungewöhnlich geheiratet hat. Seine Frau fand das Innenfutter seines Gitarrenkoffers sehr schön, was wir kurzerhand für den Oberstoff seines Anzuges verwendet haben. Das war wirklich stilecht!

Petra von Hollightly: Das klingt verrückt und sehr persönlich. Witzige Idee! Wie viel Kunst steckt in Deiner Mode?

Emanuel: In meiner eigenen Kollektion steckt mit Sicherheit ein großer Anteil meiner Künstlervergangenheit. Hier kann ich mich kreativ so richtig ausleben und all mein Know How über das Verhalten von Farben, Stoffen und Schnitten einfließen lassen. Was mir glaube ich auch hilft, ist mein Mut zum Probieren. Beim Malen kann auch jeder Pinselstrich das bisher Geschaffte theoretisch verzerren, aber in dem Moment wo man als Maler zwanghaft jeden Pinselstrich plant, verliert man all seine künstlerische Autonomie und Identität. Das hilft mir auch in der Mode: Im Zweifel probiere ich den Schnitt einfach aus. Manchmal muss ich danach erkennen, dass das nicht funktioniert, aber oft kommt dabei auch etwas Großartiges, Neues heraus.

Petra von Hollightly: Du designst auch für Männer, was ist dein Look, dein Trend für 2015? Wie sehen die Anzüge aus, in denen die Herren in diesem Jahr zum Traualter schreiten werden?

Emanuel: Du wirst es nur schwer glauben, aber die kurze Hose ist wieder absolut IN. Die kurze Hose wirkt in einem festlichen Rahmen normalerweise eher deplatziert- kann aber je nach Event & Träger extrem stylisch sein. Ich habe neulich eine kurze Hose aus einem grauen Oberstoff designt für eine eher lässige Outdoorhochzeit in der Schweiz. Der Bräutigam war ein ganz eigener Typ mit längeren Haaren zum Zopf getragen und fühlt sich tagsüber in der kurzen Hose einfach deutlich wohler. In dem Fall geht mein Daumen für die kurze Hose dann auch ganz klar nach oben! Für die klassischen Abendanzüge sehe ich in 2015 v.a. sehr figurbetonte Passformen. Die Hose wird noch schmaler und das Sakko eher mit einreihiger Knopfreihe und v.a. kommen die knalligen Farben zurück. Magenta, kobaltblau und dunkelrot – auch für den Oberstoff.

Petra von Hollightly: Das ist der Pharrell Williams Effekt, bestimmt 😉 Was macht ganz grundsätzlich einen guten Hochzeitsanzug für dich aus?

Emanuel: Ein guter Hochzeitsanzug ist vor allem eines: KEINE Verkleidung. Bei vielen Anzügen mit Brokat, Samt oder Nadelstreifen frage ich mich manchmal: Wieso machen viele moderne, modisch-anspruchsvolle Männer in ihrer Freizeit mittlerweile viele –manchmal zweifelhafte – Trends wie Print-Muster, Chinos, Batik-Hemden mit und sind dann an ihrem Hochzeitstag so gekleidet wie ihr eigener Grossvater – ohne jegliche modische Ambition? Zudem muss die Passform des Anzuges einfach perfekt sein. Bequemlichkeit steht aus meiner Sicht nicht an erster Stelle. Dieses Credo vertrete ich auch vor meinen Kunden, auch wenn das manchmal etwas Erziehungsarbeit bedeutet, bleibe ich dabei: Ein maßgeschneiderter Anzug sitzt v.a. gut, ist aber nunmal nicht mit einem Jogginganzug in Sachen Tragekomfort zu vergleichen.

Emanuel HEndrik Anzug

 

Petra von Hollightly: Wie sähe der Anzug aus, in dem du selbst heiraten wolltest?

Emanuel: Ich habe in einem matt-silbernen schlichten Seidenanzug geheiratet. Mir war es wichtig, tagsüber etwas leichtes Helles zu tragen, weil es irgendwie unbeschwerter wirkt Abends zur Party hab ich dann aber doch zum klassischen Smoking gegriffen, weil ich diesen „James Bond“-Look einfach unübertroffen zeitlos-elegant und männlich finde.

Petra von Hollightly: Auch hier wieder die Frage, wie viel Wert legst du auf nachhaltige Produktion, fair trade und die Stoffe, die du beziehst?

Emanuel: Auch für meine Anzüge gilt: Ich arbeite i.W. mit europäischen Stoffen (primär italienische Wolle), kenne alle meine Produzenten persönlich und arbeite mit kleinen familiengeführten Unternehmen zusammen.

Petra von Hollightly: Zuletzt die Frage, die ich immer stelle – der Look von Deinem Label in drei Worten?

Emanuel: Jung, individuell, stylisch.

Petra von Hollightly: Vielen lieben Dank für Deine Zeit und das tolle Gespräch mit Dir. Hätten wir Dich schon gekannt vor unserer Hochzeit, hätten wir natürlich den Anzug von Dir schneidern lassen. 

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