Karl Lagerfeld
(Foto: Siebbi auf Flickr / CC Lizenz)

Wer hätte es gedacht? Der deutsche Modekaiser wagt sich in die Normalwelt. Ein Hauch von Karl weht durch die Modewelt. Der deutsche Modekaiser steigt vom Edelolymp herab auf den Otto-Normalverbraucher-Level und bietet ab 25. Januar Fashion an. In einem schnöden Online-Store. Karl.com heißt die Webseite und „Karl“ soll auch die neue Linie für die Massen heißen. Sie soll sich in einem fast schon Aldi-esken Rahmen zwischen 60 und 300 Euro bewegen. Wahre kleine Fashion-Schnäppchen also, zumindest für die Damen, die üblicherweise in Chanel und Fendi investieren. Aber, so der deutsche Modekaiser in einem früheren Interview, es gibt gute Gründe, warum er sich dem günstigen Massenmarkt zuwendet (natürlich neben den grandiosen Verdienstaussichten und der endlich befriedigten Eitelkeit auch mal mit seinem eigenen Namen in der Mode erfolgreich zu sein).

„Ich glaube an zwei Dinge: an ganz teuer und an ganz preiswert. Echte Juwelen kombiniert mit falschen Klunkern – das ist die alte Idee von Coco Chanel.“

Wenn Coco das gesagt hat, dann muss etwas Wahres an dieser Maxime sein. Ein Hoch auf alle, die sich nicht nur falsche Klunker leisten können, die es dann ja mit den echten Fashion-Juwelen gekonnt zu kombinieren gilt. In dieser Gleichung wären also die Modeteile aus Karls neuer Kollektion schlicht und einfach falsche Klunker. Klunker aus Denim, aus Leder, klunkerartige Abendkleider und Accessoires für das Fashion-Herz. Natürlich immer mit der Handschrift von Kaiser Karl. Die Vogue durfte schon einen ersten Blick auf die Kollektion werfen und zeigt sich begeistert. Das lässt auf einen ähnlich großen Erfolg hoffen, wie bei der Kollektion Karl für H&M 2004. Damals standen ähnlich viele Fashionfans weltweit Schlange vor den Filialen des schwedischen Modeunternehmens, wie annodazumal die gesamte Damenwelt kurz vor dem Verkauf der ersten Nylonstrümpfe 1946.

Spätestens zur Fashion-Week in Paris im Februar kann dann selbst Lieschen Müller aus Kleinkotzenreuth in der Online-Frontrow auf der Webseite Karl.com die Kollektion von Deutschlands berühmtestem Modedesigner betrachten, sich ein bisschen wie der Pradatragende Teufel Anna Wintour fühlen, und sich ohne einen an Griechenland erinnernden Schuldenberg einen Hauch von Karl Lagerfeld ershoppen.

Der Kaiser wird sich ins Fäustchen lachen und mit viel Glück an den Deal mit Breuninger erinnern, den er schon vor Monaten mit dem Stuttgarter Modekaufhaus abgeschlossen und auf dem Wetten-Dass Sofa kurzzeitig vergessen hatte. Am Ende sind dann alle glücklich: der Otto-Normal-Verbraucher hat endlich Karl Lagerfeld in seinem Schrank hängen (auch wenn Otto-Normal-Verbraucher in den hauteng geschnittenen, zackigen Modellen vermutlich eher nach Presswurst als nach Chanel aussehen dürften), Breuninger hat einen kleinen Werbeschub bekommen dank Lagerfelds grauenhaftem Kurzzeitgedächtnis und Karl bekommt endlich eine erfolgreiche Linie mit seinem Namen (alle Versuche seit 1984 mit Bidermann, Quelle, Hilfiger und anderen ein bisschen Karl und nicht nur ein bisschen Chanel auf den Modemarkt zu bringen sind schließlich fulminant gescheitert).

Einziger, aber riesiger Nachteil der ganzen Geschichte: Produktion für die Massen heißt leider meist auch, dass es keine nachhaltige Produktion ist. Laut der Nachhaltigkeits-Plattform Wegreen, bekommt Karl für seine Massenmode leider ein dickes fettes Rotlicht. Er erfüllt in Sachen Klimaschutz oder Produktionsbedingungen 0 von 16 Kriterien. Ach Karl! Du hast doch schon so viele Wohnungen und mit Deinem Kätzchen Choupette zeigst Du doch auch ein Herz für Tiere und andere Lebewesen – warum kümmerst Du Dich nicht ein kleines bisschen besser um die Produktionsbedingungen Deiner Kollektion? Gerade so große und prominente Namen, wie Du – lieber Karl – können doch so viel mehr bewirken für eine nachhaltigere Produktion von Kleidung.

Auch wenn er nach eigenen Worten eigentlich ganz hehre Grundsätze hat: Elitäres für die Massen. Wäre da noch der kleine Zusatz dabei: nachhaltiges elitäres für die Massen, dann wäre ich ganz bei Dir und Deiner neuen Kollektion, lieber Karl! Darüber würde ich gerne mal mit Dir sprechen – also wenn Du das liest, KARL LAGERFELD, bitte melde Dich! Ich würde mich über ein Pläuschchen freuen und Choupette auch ein nachhhaltig produziertes Cashmere-Kissen als Gastgeschenk mitbringen…

Alles liebe,

Deine Petra

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